Nachruf Erika Dechant
Gedenkworte
Am 14. März verstarb in Berlin Köpenick nach kurzer, schwerer Krankheit Erika Dechant im Alter von 87 Jahren. Mit ihr geht eine Persönlichkeit, die das deutsche Kunstturnen über Jahrzehnte nachhaltig geprägt hat – als leidenschaftliche Trainerin, verantwortungsvolle Kampfrichterin und unermüdliche Gestalterin der Turnlandschaft in Berlin und darüber hinaus.
Ihr gesamtes Berufsleben widmete Erika Dechant dem Kunstturntraining, insbesondere der Nachwuchsentwicklung im Mädchen- und Frauenturnen. Bereits Anfang der sechziger Jahre begann sie ihre Laufbahn als Clubtrainerin beim damaligen SC Chemie Halle. Mit großem Sachverstand, pädagogischem Geschick und einem feinen Gespür für Talente förderte sie dort eine Reihe junger Turnerinnen und legte den Grundstein für deren sportliche Laufbahnen.
Später übernahm sie verantwortungsvolle Aufgaben als Nachwuchs Verbandstrainerin in der DDR, bevor sie schließlich nach Berlin wechselte. In dieser Zeit wirkte sie an entscheidender Stelle federführend an der enormen Aufwärtsentwicklung des weiblichen deutschen Spitzenturnens mit – ein Verdienst, das weit über die Grenzen einzelner Vereine hinaus Anerkennung fand.
Auch als qualifizierte Kampfrichterin stand Erika Dechant über viele Jahre mit großem Verantwortungsbewusstsein im Einsatz. Ihr fachlicher Blick, ihre Erfahrung und ihre Verlässlichkeit machten sie zu einer geschätzten Persönlichkeit am Kampfrichtertisch.
Nach der politischen Wende stellte sie sich sofort den Herausforderungen der neuen Zeit. Sie engagierte sich mit voller Energie beim Umbau der Strukturen der Turnpraxis in Berlin, unter anderem als Vorsitzende des Technischen Komitees Kunstturnen und später als Fachwartin. Besonders während ihrer Tätigkeit beim Berliner TSC war sie nicht nur für ihren eigenen Verein, sondern auch für kleinere Berliner Turnvereine sowie für die Akrobatik und Gymnastikdisziplinen eine kompetente, hilfsbereite und stets ansprechbare Unterstützerin.
Seit August 1984 war Erika Dechant Mitglied des Berliner TSC. In ihrer langen Zeit als Abteilungsleiterin der Abteilung Turnen führte sie diese mit viel Herzblut, Klarheit und Weitsicht. Im Mai 2003 wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt – ein Ausdruck höchster Wertschätzung für ihr langjähriges Wirken. Sie war bis zum Schluss für den Verein im Ältestenrat sehr aktiv.
Erika Dechant war eine Frau von Prinzipien – konsequent, hartnäckig und mit festen Grundüberzeugungen. Zugleich brachte sie eine umgängliche, fröhliche und humorvolle Art mit, die den Umgang mit ihr im sportlichen Alltag bereicherte. Sie war immer gut für einen Spaß, immer ehrlich, immer engagiert. Viele Menschen im Berliner und deutschen Turnwesen haben ihr viel zu verdanken.
Mit ihrem Tod verliert die Turnfamilie eine außergewöhnliche Trainerin, eine kluge Organisatorin und einen warmherzigen Menschen. Ihr Andenken wird bleiben – in der Turnhalle, im Verein und in den Herzen all jener, die sie auf ihrem Weg begleitet hat.
Im stillen Gedenken, Deine Sportfamilie an der Spree